| Kanutriathlon München 2010 - Erlebnisbericht |
|
|
| Veranstaltungen* - Wettkämpfe | ||||
|
Der Kanu-Triathlon in München Anfang Mai hat inzwischen eine Ulmer Tradition. Letztes Jahr waren es drei Teilnehmerinnen von den
Ulmer Paddlern, dieses Jahr waren es bereits 8 Anmeldungen – es blieben 6
TeilnehmerInnen. Dorothea und Jochen mussten wegen Erkältung absagen – waren
aber als unterstützende Schlachtenbummler mit von der Partie. Das war für die
anderen Sechs ein glücklicher Zufall: Jochen entpuppte sich professionell
ausgerüstet als exzellenter Fotograf.
Dorothea versorgte uns am Sonntag nach dem Wettkampf mit leckerem Rhabarberkuchen. Kuchen muss eine Teilnahme am Triathlon nicht verhindern, wie Claudia bewies. Einen leckeren Apfelkuchen von ihr gab es bereits am Samstag. Wie allerdings Jochen im nächsten Jahr seine Teilnahme mit seinem Job als Fotograf vereinbaren will, muss er sich in den dazwischen liegenden Monaten noch überlegen.
Angereist sind wir wie auch schon die Teilnehmerinnen im letzten Jahr bereits am Samstag. Dieses Jahr ein paar Stunden früher, da letztes Jahr die Zeit für Zeltaufbau, Streckenerkundung, Meldeunterlagen abholen und Abendessen knapp bemessen war. Das Samstagprogramm war ansonsten gleich wie letztes Jahr – auch der Regen am Abend stellte sich ein, und so gab es in Jochens Kombi, in dem auch schon die Fahrräder von Ulm nach München transportiert worden waren, einen improvisierten Umtrunk mit Rotwein. Die Matratze, auf der Jochen schlafen wollte, war neben dem bevorstehenden Wettkampf Gesprächsthema des ganzen Abends. Die erste Aufregung erwartete uns beim Abholen der Meldeunterlagen: Dort mussten wir feststellen, dass Boote über 4,50 m Länge nicht zugelassen waren. Leider ist uns allen diese Info in der Ausschreibung nicht aufgefallen. Daniel hatte sich den blauen Vereins-Catalina als Wettkampfboot ausgesucht. Der Catalina hat aber ca. 4,64 m Länge, d. h. ganze 14 cm zu viel. Nach einigem Hin und Her erhielt Daniel schließlich eine Ausnahmegenehmigung. Seine Paddelzeit ist letztendlich der Beweis, dass er nicht mogeln wollte. Sollte ihn jedoch der Paddelehrgeiz noch packen, dann sind in Zukunft die Plätze seiner Konkurrenz gefährdet. Zurück zum Samstag Abend. Daniel hat die Melde-Informationen gelesen und auch entdeckt, dass in meiner Altersklasse die Paddelstrecke verkürzt ist. „Bin ich schon so alt, dass man mir die gesamte Strecke nicht mehr zutraut? Soll ich mich freuen oder ärgern? Ist das Diskriminierung?“ Meine Gedanken hierzu sind schnurz, Regel ist Regel und fertig!
Aufgrund des Regens gingen wir eine Stunde früher als angemeldet in die von Kerstin übers Internet ausgesuchte Pizzeria. Das Essen war superklasse gut und dazu günstig, obwohl die Einrichtung von uns als gehoben eingestuft wurde – schließlich waren wir im teuren München. Gewählt wurde alles von kohlenhydratreichen Nudelspeisen über Pizza bis zu Reisgerichten mit Gemüse und Beilagensalat, der sich als eine riesige Schüssel entpuppte. Alle waren zufrieden und wurden satt. Die meisten gönnten sich trotzdem noch italienische Nachspeise – Kerstin - die Süße - bestellte einen ganzen Teller voller Leckereien.
Wohlgenährt und zufrieden kehrten wir in unsere Zelte bzw. Autos zum Vor-Triathlon-Schlaf zurück. Die ersten Wecker klingelten am nächsten Morgen um 6:30 Uhr. Nur noch drei Stunden bis zum Start. Der Sonntagmorgen war kühl – geschätzte vier Grad Plus, meine Zehen wurden in den Sandalen im nassen Gras doch etwas unterkühlt. Die Sonne zeigte sich zwischen leichten weißen Wolken am Horizont hinter den Bäumen. Kerstin frühstückte zuerst – sie wollte eine möglichst große Zeitspanne zwischen letzter Mahlzeit und Wettkampf. Ich ging zuerst unter die Dusche und frühstückte dann – der allmorgendliche Rhythmus musste sein. Nach und nach schlichen die anderen aus ihren Zelten bzw. Autos. Kerstin schleppte inzwischen Taschen und Rücksäcke zum Auto, kümmerte sich um die Boote und Fahrräder. Die Stimmung war gut. Bei Kerstin war allerdings eine leichte Anspannung zu spüren. Zwei Minuten nach der angekündigten Abfahrzeit musste ich noch den Kaffe ablassen und wurde gerügt mit der Bemerkung: „Vor zwei Minuten wollten wir los!“. Wieder wie im letzten Jahr brachten wir zuerst die Boote und die Fahrräder in den Wechselzone. Es stellte sich die Frage: „Wo ist der strategisch günstigste Stellplatz?“. Da wir die Ersten waren, hatten wir die Qual der Wahl. Reifen wurden nochmal aufgepumpt („Wieviel Druck hast Du im Reifen?“), Trinkflaschen wurden in die Halterungen gesteckt, Fahrrad- und Paddelschuhe zum Wechseln gelagert, Müsliriegel verstaut. Die Vorbereitungen glichen einer logistischen Meisterleistung. Bereits um kurz vor 9 Uhr, eine gute halbe Stunde vor dem Start, waren wir am Startplatz. Unsere Schlachtenbummler trudelten alle pünktlich vor dem Start ein und so konnten wir uns ausgiebig begrüßen. Die Spannung und auch die Außentemperatur stiegen langsam an. So nach und nach wurden lange Hosen, Pullover und Jacken fallengelassen und in die Rucksäcke der ZuschauerInnen verstaut. „Bring doch meine Jacke bitte zum Fahrrad, die Radstrecke ist im Schatten.“ Jeglicher Wunsch der TriathletInnen wurde erfüllt. Jetzt noch ein bisschen einlaufen und um Punkt 9:30 Uhr fiel das Kommando: „Achtung, Fertig, Los!!“ Kerstin und ich zeichneten den kompletten Wettkampf mit GPS auf. Auch wieder wie letztes Jahr legten die LäuferInnen in einem Wahnsinnstempo los. Ich versuchte mitzuhalten und wurde in der ersten Kurve von Claudia eingeholt. Ich verlor Claudia zwar nicht aus den Augen, aber einzuholen - geschweige denn zu überholen - war sie nicht. Die ganz Schnellen, Kerstin, Daniel, Gerhard und Daniela, begegneten mir erst wieder auf der Paddelstrecke – ich flussaufwärts, die anderen bereits flussabwärts dem Ziel entgegen.
Die Laufstrecke verläuft wunderschön an beiden Seiten des Isarufers. Leider war es mir in der Sonne bereits zu heiß und ich quälte mich, weil ich – GPS-kontrolliert – nicht unter eine Laufgeschwindigkeit von 10 km/h fallen wollte. Endlich kam auch für mich die Wechselzone in Sicht. Zum Erholen gönnte ich mir die Zeit und „ging“ die paar Schritte zum Fahrrad über die Wiese. Die HelferInnen reichten mir einen Pappbecher mit Wasser gefüllt. Den nahm ich dankbar und trank einen Schluck, den Rest schüttete ich über meinen hitzigen Kopf. „Jetzt aber rauf aufs Fahrrad.“ Es blieb keine Zeit, um den Müsliriegel zu essen, der wurde in die Hose gesteckt. Die Ausfahrt aus der Wechselzone auf die Radrennstrecke verpasste ich und musste unter der Absperrung durch. „Ob das erlaubt ist?“ Die Ordner nickten mir wohlwollend zu. „In die Pedale und los.“
Schon höre ich den Jubel unserer UlmerInnen. Das beflügelt mich, noch schneller in die Pedale zu treten. Der Asphalt ist sehr uneben, meine Trink-Aluflasche in der Halterung klappert fürchterlich. Ich bin nicht zu überhören! Leider überholen mich doch einige Rennräder von hinten. Waren die noch langsamer gelaufen als ich? Doch schon bald kommt nach einer scharfen Rechtskurve der gefürchtete sehr steile Anstieg. Schrecklich sind die quer zum Weg verlaufenden Wasserablaufrinnen, die bringen mich völlig aus dem Rhythmus. „Hört die Steigung denn nicht auf?“ An einem kleinen Tunnel wird’s ebener. „Habe ich es geschafft?“ Nein, nach dem Tunnel kommt eine leichte Rechtskurve und es geht weiter bergauf, allerdings wesentlich moderater. Schließlich schaffe ich es doch noch, im ersten Gang hoch zu radeln. In Runde zwei und drei zwingt mich ein beginnender Krampf in
der rechten Wade abzusteigen und hoch zu schieben. Es ärgert mich. „Hätte ich
doch die lange Hose anlassen sollen?“ Es ist nicht zu ändern. Schieben ist allerdings
wesentlich weniger anstrengend, leider auch etwas langsamer. Nach dem Tunnel kann
ich wieder aufsteigen. Kurz danach folgt eine lange abfallende Abfahrt durch
ein Waldstück. Ich erinnere mich, dass Kerstin dieses Stück zum Trinken
anpries. Also fingere ich die Alu-Flasche aus der Halterung und versuche mit
den Zähnen die Trinkvorrichtung zu öffnen – geht nicht. Ich zerre etwas und habe
die komplette Abdeckung zwischen den Zähnen, aber keinen einzigen Tropfen
Wasser im Hals. So ein Mist! Hilfe, ich verdurste! Ich sage mir: „Jammer nicht
rum, sondern radle!“ Später habe ich die Idee, den gesamten verdammten
Verschluss abzuschrauben, und komme so doch noch an das begehrte Nass.
Freihändig fahren geht natürlich nicht so schnell wie mit den Händen am Lenker.
„Verliere ich kostbare Zeit? Wenn ich
unten bei den ZuschauerInnen vorbeikomme, schmeiße ich die lästige Flasche in
die Böschung.“ Habe ich natürlich nicht gemacht, sondern auch in Runde zwei und
drei freihändig getrunken. In Runde drei fiel mir auch mein Müsliriegel ein,
den ich öffnete und probierte, aber das war nicht der Hit. Also wieder eingepackt
in die Hose gesteckt.
Endlich, wieder an der Wechselzone. War das jetzt dreimal oder
doch nur zweimal? Die freundlichen HelferInnen winken mich rein. Mein Boot ist
gut zu finden. Es scheint das letzte zu sein. Dorothea hilft mir beim
Einsteigen. Zu spät erkenne ich, dass mein weit von der Strecke entfernt
liegender Sicherheits-Startplatz völlig unnötig ist, weil eine DLRG-Retterin in
Neopren im Wasser steht, um mir ins Boot zu helfen. In einem Affenzahn schiebe
ich meine Beine ins Boot und diesmal streikt die linke Wade mit Krampf. So ein
Mist! Was mache ich jetzt? Ist der Wettkampf vorbei? Aufgeben? – Nein!!!!!
Es hilft nichts, auch wenn’s Zeit kostet, das Bein muss nochmal raus, Zehen zum Knie ziehen und warten, dass der Schmerz nachlässt. Es gelingt! Also, Beine wieder rein ins Boot, Spritzdecke zu, Paddel in die Hände und ich kann endlich paddeln. „Erst bis zur Brücke paddeln und dann rüber traversieren“, ruft mir jemand zu. und ich befolge den Rat. Leider lasse ich zu viel Abstand zum Ufer, was zur Folge hat, dass ein “Dickschiff“ (Invader) an mir und meiner „Flunder“ - wie Daniela das Slalomboot bezeichnet - innen vorbeischiebt. „Hilfe! Das geht doch nicht. Ich habe doch das schnellere Boot.“ Leider bin ich nicht so schnell, dass ich außen vorbeikomme. Also spare ich halt Kräfte und fahre im Kielwasser, obwohl ich doch eigentlich schneller bin. Nach ca. einem km paddeln flussaufwärts bei der ersten Wendemarke werde ich meine Konkurrentin - und sie mich – los. Ich sehe auch Claudia nun vor mir mit der Strömung kämpfen, will mich aber edel verhalten und rufe ihr nicht zu. Denn sie muss weiter und ich darf wenden. In diesem Moment empfinde ich die Regelung der kürzeren Paddelstrecke als Vorteil. Meine Freude, die Wendemarke erreicht zu haben, teile ich lautstark den OrdnerInnen am Ufer mit. Natürlich hört das auch Claudia, wie sie mir später erzählt. Soviel zu meiner Rücksichtnahme. In möglichst engem Bogen paddle ich um „meine“ Wendemarke. Flussabwärts geht’s einfacher und schneller. Trotzdem versuche ich nochmal alle Kräfte zu mobilisieren und finde, dass ich sehr schnell unterwegs bin. Der Abstand zu den vorderen Dickschiffen wird kürzer. Vielleicht kann ich die Frau vor mir – ich glaube, sie kämpft in meiner Altersklasse – noch einholen. Die vier Stufen im Isarkanal „Floßlände“ flößen mir (so
meine ich zumindest, die Bilder sprechen eine andere Sprache) heute keine Angst
ein. Denn gestern habe ich noch zur Angstbekämpfung mein Boot die komplette
flussabwärts-Strecke hochgetragen und bin, um die „Gefahren“ kennen zu lernen, runter
gepaddelt. Die ersten drei Schlüsselstellen „Sauloch“, „Weiglwalze“ und
„Schaukelpferd“ bewältigte ich fast wie im Flug.
An der vierten, der „Surf-Welle“, turnt doch tatsächlich während unseres Wettkampfs ein Surfer in den Fluten. Ich nehme Rücksicht, fahre zu weit rechts, und das wird mir zum Verhängnis. Ich muss mich mit der Hand an der Wand abstoßen – kippe ich jetzt? Glücklicherweise nicht, aber ins Kehrwasser hat es mich abgedrängt. Die ganze Geschwindigkeit ist raus. Der Abstand zu meiner Rivalin hat sich wieder vergrößert. Die restliche Strecke ist ohne jegliche Strömung, muss also ausschließlich mit Muskelkraft bewältigt werden, und meine Arme werden jetzt schwer. Trotzdem kämpfe ich weiter und endlich ist das ZIEL da! Paddel hoch, nur noch Freude. Den Gedanken einer Freuden-Eskimorolle verwerfe ich gleich wieder, weil es doch peinlich wäre, wenn ich nicht hochkäme. Also, mit Paddelbrücke raus aus dem Boot und dann werde ich schon von den anderen beglückwünscht. Kerstin ist bereits umgezogen. Ein paar Minuten später paddelt auch Claudia durchs Ziel. Sie ist noch jung und musste die gesamte Strecke paddeln. Alle Achtung – nach nur einem halben Jahr paddeln schon der erste Wettkampf – Herzlichen Glückwünsch! Inzwischen ist durch Presse und Bilder bekannt, dass Kerstin und Daniela Platz 1 in ihrer Boots-/Altersklasse belegt haben und ich in meiner Altersklasse 3 den 3. Platz. Claudia, Gerhard und Daniel konnten Platz 4, 5 und 7 in ihrer Gruppe belegen. Der Rhabarberkuchen von Dorothea wurde eingangs schon erwähnt. Jochens Matratze diente als Relax-Sofa.
Nina hatte den Finish-Sekt mit Limes in der Tasche. Die offizielle Siegerehrung fand bei Sonne und warmen Temperaturen – ich suchte Schatten – im schönen Garten des Vereins satt. Kerstin, Daniela und ich durften unter lautstarkem Beifall aller UlmerInnen aufs Treppchen. Später mussten noch die Zelte abgebaut werden und dann setzte sich die Ulmer Karawane wieder Richtung Ulm in Bewegung. Nächstes Jahr am ersten Mai-Wochenende ist wieder Kanu-Triathlon in München-Thalkirchen. Wir haben uns alle fest vorgenommen, wieder teilzunehmen. Wir freuen uns auf weitere TeilnehmerInnen. Petra Mang
|
||||












