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Im "Fürstenberg Almanach" von 2011, einer jährlich erscheinenden Chronik über die Ereignisse in Fürstenberg a.d. Havel, erschien der folgende Bericht über unsere dortigen Paddeltouren 2009 und 2010:
Paddler aus Ulm in Fürstenberg begeistert von der Kanu-Rutsche
von Kerstin Rümke und Ulrich Kasten
Unsere Hauptgewässer sind eigentlich eher die wilden Flüsse in der Schweiz, in Österreich und Oberbayern: der Oberrhein, der Inn, die Isar und die Ammer. Aber warum nicht zur Abwechslung mal die „Mecklenburger Seenplatte"? Also meldeten wir uns für die Teilnahme am „1000-Seen-Marathon" in Diemitz im September an. Wir Süddeutschen haben uns dort nicht blamiert: Ein erster Platz in der Damengruppe und einige gute Plätze in der Herrengruppe. Aber nur für einen Wettkampf eine so weite Anreise? Nein, es sollte schon etwas mehr sein.
So paddelten wir dann an einem Sonntag mit der untergehenden Sonne im Rücken durch die Schleusen Priepert und Steinförde in Richtung Fürstenberg, vorbei an alten Bootsschuppen am Rand der Havel und über kleinere und größere Seen. An den waldgesäumten Uferpartien stiegen Reiher mit langsamem Flügelschlag auf, um nach wenigen Metern wieder zu ,,landen". Andere aber blieben ruhig sitzen, um uns neugierig zu beäugen. Wir waren wohl nicht die einzigen Paddler an diesem Tag. Noch vor Dunkelheit und wohl mit der letzten Schleusung erreichten wir den Röblinsee, wo wir im Garten eines alten Paddelfreundes unsere Zelte aufschlugen. Der nächste Tag sollte uns gleich einen echten ,,Paddel-Leckerbissen" bescheren: die obere Havel von Kratzeburg bis zum Useriner See, keine 30 km von Fürstenberg entfernt. Es war eine Tour durch ein echtes Paddlerparadies, wo Motorboote weder uns noch den Frieden der Natur störten. Mal ging es durch enge verschilfte Flussabschnitte, dann wieder an urwaldartigen Uferpartien entlang. Plötzlich öffnete ein See den Blick in die Weite. Kleine Umtragestellen und Rastplätze luden zum Verweilen ein. Ein erster kleiner technischer Höhepunkt (ein weiterer größerer sollte in Fürstenberg folgen) war für uns die Lorenportage bei der Granziner Mühle, wo ein Landweg von etwa einem Kilometer mühelos überwunden werden konnte. Nach einigem Hin- und Herfahren mit unseren Autos beschlossen wir den Abend mit langen Erzählungen über vergangene und künftige Paddeltouren, verwöhnt von unserem vereinseigenen Meisterkoch Uli, der sich in der kleinen Küche unseres Gastgebers mal wieder so richtig austoben konnte.

Am nächsten Tag starteten wir ausgeruht und auf schlechtes Wetter vorbereitet direkt vom Röblinsee aus zu einer Tour durch die Fürstenberger ,,Hausgewässer". Vorbei ging es an den alten Häusern der Fürstenberger Innenstadt, den gepflegten Gärten - fast meinte man, in Holland zu sein. Enten hockten verschlafen auf den Holzpfosten vor den Bootsschuppen. Einigen ausgelegten Angeln mussten wir aus weichen. Erwartungsvoll näherten wir uns dem technischen „Highlight": der Fürstenberger Bootsgasse. Knapp zwei Meter Höhenunterschied werden hier mit dem ,,Fisch-Kanu-Pass" überwunden, der so wohl seinesgleichen sucht.
Mit längs gelegten Paddeln glitten wir problemlos über den bootsschonenden ,,Noppenwasserteppich" in das Unterwasser. Selbst unser Faltboot kam wohlbehalten unten an, was bei derartigen Anlagen nicht selbstverständlich ist. Und so ganz nebenbei macht so eine ,,Rutschpartie“ auch richtig Spaß. Es ist schon etwas Besonderes, durch den Turbinenkeller eines alten Hauses (Bahnhofstraße 9) zu gleiten. Mit dem Treidelweg kann man diese Anlage auch flussabwärts nutzen. Unser Gewässerreferent Klaus konnte sich gar nicht satt sehen und machte zahlreiche Fotos zur Vorlage bei unseren heimischen Gewässerbehörden.

Hier ein kleiner ,,Besser-Wessi"-Vorschlag: An dem netten, aber zu kleinen Hinweisschild zur Kanutreppe wird wohl mancher einfach vorbeipaddeln. Wie wäre es mit einem größeren Schild - etwa in der Höhe des ,,Hauses an der Havel" - mit folgendem Hinweis: ,,Achtung Paddler, Kanutreppe nach 50 Metern links, Rastplatz und Einkaufsmöglichkeiten". An hohen Mauern - dahinter soll die alte Fürstenberger Burg liegen - vorbei ging es dann weiter Richtung Schwedtsee. Vorher konnten wir noch den großzügig angelegten Wasserwanderer-Rastplatz bewundern; da gibt es sogar Bootsständer, auf denen Boote abgeschlossen gesichert werden können, so dass man beruhigt seine Einkäufe in den wenige Minuten entfernt liegenden Geschäften tätigen kann. Zu einem kleinen Rundgang im Zentrum, einen Blick in die Kirche mit seiner bemerkenswerten Innengestaltung reichte es dann auch noch.
Auch wenn unser Kurs in Richtung Stolpsee lag, so machten wir doch noch einen kleinen Schwenk nach Nordosten. Als dunkle Schatten zogen die Mauern des ehemaligen Konzentrationslagers Ravensbrück und das Ehrenmal am Seeufer an uns vorbei. Wenig später begegnete uns an der Eisenbahnfähre zum ehemaligen KZ wieder die Vergangenheit. Fürstenberg ist nicht nur eine der schönsten Wasserstädte. Sie ist auch ein Ort des Erinnerns und Gedenkens: des Erinnerns an das, was einmal geschah; des Gedenkens der Menschen, denen es geschah - ein einzigartiger ,,Lernort", das aufgeschlagene Buch unserer jüngeren Geschichte. Fragen dazu sollten uns noch bis spät in die Nacht beschäftigen.
Der heftige Wind auf dem Stolpsee ließ bei den Seekajakern unter uns Erinnerungen an Touren an fernen Meeresküsten lebendig werden. Ohne unsere Spritzdecken wäre es wohl ein feuchtes, wenn nicht gar ein kurzes ,,Vergnügen" geworden. Himmelpfort war dann auch eher die Pforte zum Himmel, aus der diesmal nicht der Weihnachtsmann, sondern der Regen kam. Auch wenn wir weder den Kräutergarten noch die Klosterruine sahen, allein schon wegen des delikaten Räucherfischs zum Abendessen wird dieser freundliche Ort uns in guter Erinnerung bleiben. Lychen sollte dann unser nächstes Ziel sein, aber Wind und Regen trieben uns wieder in den Schutz der Woblitz zurück, deren schluchtenartige und wilde Uferpartien wir eher in Kanada oder Sibirien erwartet hätten als einige Kilometer östlich von Fürstenberg. Die angekündigten und uns fest versprochenen Eisvögel bekamen wir leider nicht zu sehen. Wir müssen wohl noch einmal wiederkommen.
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